Abenteuer Sumatra // Orangutan Stories

3. Mai 2015 at 5:14

– english version below –

Freitag, 17.4., 21:45. Draußen tiefste Finsternis, durchbrochen von plötzlich aufleuchtenden Motorradscheinwerfern.
Mein Kopf schlägt oft und ungleichmäßig gegen das Fenster des stickigen Buses. Völlig erschöpft von über 12 Stunden Transport bis hierher versuche ich verzweifelt, mit meinem Rucksack auf dem Schoß einzuschlafen, um die Zeit schneller vergehen zu lassen.
2 Stunden später endlich da.
Wo? An der Grenze zum wohl tiefsten Urwald den ich bisher betreten durfte. Mitten auf Sumatra, weit abgelegen von Luxus und Zivilisation.
Falsch gedacht. Was uns hier erwartet hätten wir uns selbst nicht ausgemahlt. Wunderschön eingerichtete und saubere Zimmer warten auf uns, um sofort nach einem fantastischen Mahl (nasi goreng sayur) in die Federn zu fallen.

Uns? Unterwegs war ich mit Steffen. Der coolsten weißen Socke, der ich hier bisher über den Weg laufen durfte. Masterstudent Water Resources aus Stuttgart, Abenteuerer und Entdecker im Herzen.

Apropos Abenteuer – gleich nach einer heftig von Regenlärm gestörten Nacht ging es los in den Regenwald.
Erste Station: Orangutan Fütterungsplattform. Sehr richtig. Sehr geil!

"Mina"

Jap, der Fuß ist wirklich da oben.

Danach mit Guide Adi tiefer in den Jungel. Eingeschmiert mit zerriebenen, intensiv und gut riechenden Blättern einer tropischen Ingwerart, wollten auch die Moskitos nichts mehr von uns wissen.

Während wir an der Plattform den Blick noch mit ca. 20 anderen Teilen mussten, durften wir schon kurz darauf einige Primaten-Familien alleine, aus guter Entfernung, beobachten.
Solch eine familiäre Hingabe & Zärtlichkeit sieht man selbst bei Menschen selten.
Zum Teil war mir, als würde ich einem sehr haarigen Freund dabei zusehen, wie er sich geschmeidig durch die Baumwipfel schwingt, hin und wieder meinen Blick erwidernd, und mir dabei in die Seele schauend.
Wir sind so gleich! Uns so unfassbar ähnlich! Ich konnte meinen Blick kaum ablassen vor Staunen, während wir – schon aus der Ferne riechend – vorsichtig weitere Nester suchten.

Circa 10 Orangutans durften wir an diesem Tag in freier Wildbahn beobachten. Ein unvergleichliches Erlebnis. Mitten im Jungel, mitten auf Sumatra, in Indonesien, in Asien… ich kann es immer noch kaum glauben, dass ich hier bin und das alles erleben darf.

Nach einem weiten und anstrengend Marsch durch die Tiefen des Waldes stießen wir bald auf einen Fluss. Hier schlugen wir unser Lager auf, wurden von Adi und seinem jungen Gehilfen bekocht, genossen den Regen, das frische Wasser, die Luft und das Zusammensein.

Der nächste Tag war entspannter, mit viel Schwimmen und Springen am Fluss und später einer spannenden Rafting – Tour zurück zum Ausgangsort unserer Wanderung vom Vortag.

Spontan entschieden bestiegen wir den nächsten Bus nach Berastagi. Beladen mit einem Duzend Bananen waren wir gerüstet für die 6 stündige Fahrt in die kleine Stadt. Um 23 Uhr im Hostel (planlos, der Busfahrer lies uns einfach an irgend einem Guest House raus) hieß es schleunigst ins Bett, da wir superspontan 5 Stunden später aufbrechen sollten, um zum Sonnenaufgang auf einen naheliegenden Vulkan namens Sibayak zu steigen. Eine Stunde Wanderung mit Guide Polo im Dunkeln, rein optisch keine Ahnung wo wir uns befanden, bis die Sonne die Welt erhellte.

Es hat sich gelohnt.
Seht selbst:

Umgeben von frischem Schwefeldampf und unglaublichen Ausblicken in alle Richtungen, ging es später durch den Jungel abwärts zu heißen, stinkenden Quellen zum Baden. Fürchterlich schmerzhaft auf dem Sonnenbrand, doch überaus entspannend für die Muskeln.

Vom Gipfel aus konnten wir vorher noch einen Blick auf einen weiteren Vulkan erhaschen. Sinabung, der aktivste Vulkan in der Region, war mit seinen mächtig aufsteigenden Rauchwolken ein wahrer Augenschmaus.
Und selbstverständlich der nächste Stop unserer Reise!

Aber bekanntlich ist der Weg sehr oft das Ziel. Hierbei absolut ins Schwarze getroffen!

Bus-roof-ride

Die wahnsinns Aussichten auf den gefährlich anmutenden Vulkan aus „nächster“ Nähe waren dann noch das Soja-Sahnehäufchen des Ausflugs.

Ein letzter Hinweis von Polo am Abend im Hostel brachte uns auf die letzte abenteuerliche Tour in der Region, vor dem Aufbruch zurück nach Medan.

Nach knapp über 2 Stunden steiler, steinig – schlammiger Urwaldwanderung kamen wir an einen völlig zugemüllten Ort von unfassbarer Schönheit.

Als „2 colored waterfall“ beschildert und beschrieben kam hier zum einen ein Schwefelwasserfall heruntergedonnert, sowie direkt daneben ein vollkommen klarer Wasserfall. Von Felsen zu Felsen springend, völlig in der Natur aufgehend, erlebte ich hier die Umgebung mal wieder so richtig intensiv.

Danach ging es zurück nach Medan, wo wir Teil einer gigantischen Selfie-Sammlung werden sollten und am nächsten Tag wieder abreisten.

Was ich euch zwischendurch verschwiegen habe: wie die Leute drauf waren. In Indonesien wurde ich extrem nach Ostafrika zurückversetzt. Durch Straßen laufend und durchgehend von Einheimischen angesprochen werdend, teils sehr nett und freundlich, teils mit dem offensichtlichen Versuch Geld von uns zu bekommen.
Außer einer direkten, überaus unangenehmen Auseinandersetzung mit einem aufdringlichen Abzocker, waren alle Begegnungen jedoch wirklich schön. Überall freundlich und offen empfangen, schienen wir zwar immer noch eine ziemliche Seltenheit, doch bekamen wir meistens ein breites Lächeln gezeigt.

Das war Sumatra in Kurzfassung. Mein stärkster Trip hier bisher. Zeit das bald zu toppen! …Borneo wartet.

Macht’s gut und bleibt großartig!

Friday, 17th April, 9:45 pm. Deepest darkness outside, lit only by sudden flashes of motorbike lights.
My head is beating often and unsteady against the window of the fuggy bus. Completely exhausted from over 12 hours of transport up to here, I tried desperately to fall asleep with the backpack on my legs, to have the time pass by more quickly.
2 hours later we finally arrived.
Where? At the border to the probably deepest jungle that I have ever dared to enter. In central Sumatra, far away from luxury and zivilisation.
Wrong! What awaited us here, we did no expect. Beautifully furnished and clean rooms, to instantly fall asleep right after a fantastic meal (nasi goreng sayur).

Us? This trip I shared with Steffen. The coolest whitebread I have met here so far. Master student water resources from Stuttgart, adventurer and explorer in his heart.

Talking of adventure – right after a very rainy night, we took off for the rainforest.
First stop: Orangutan feeding platform. That’s right. Awesome!

"Mina"

Yep, that foot is really up there.

After that, deeper into the jungle with guide Adi. Covered in natural insect repellent made from the grinded leaves of a special ginger species, even the mosquitos didn’t bother.

While sharing the view with about 20 others at the platform, soon we were able to see numberous primate families all alone, from a safe distance.
Such a loving family behaviour and endearment is seldom to be seen even in humans.
I felt like I was watching a hairy friend, smoothly swinging through the treetops, sometimes looking back at me and directly into my soul.
We share so many features! Are so unbelievably equal! I could hardly look away while we looked for more nests, smelling them from far.

We spotted about 10 wild urangutans that day. An unforgettable experience. In the middle of a jungle, in central Sumatra, in Indonesia, in Asia… I still can’t quite believe that I’m really here and able to experience all this.

After a long, exhausting walk throught the dense forest, we soon hit a river, where we set up our camp and were cooked for by Adi and his young helper. Enjoyed the rain, the fresh water, the air and being together.

The next day was more relaxed. With loads of swimming, diving in the river and an exciting rafting tour back to the starting point of our hike the day before.

Spontaneously hopping on a bus that brought us Berastagi, we were set for the 6 hour ride with a dozend bananas packed in. Reaching the hostel at 11pm (clueless, the busdriver just dropped us off at a random guest house) we went straight to bed after organizing a superspontaneous hike to a closeby vulcanoe named Sibayak that should start 5 hours later.
An hour of hiking with guide Polo and buddy Tim in the dark, optically no clue of our surroundings, until the sun brought the world to light.

Absolutely worth it.
See for yourselves:

Surrounded by fresh sulfur steam and incredible views to all sides, we hiked down through the jungle to hot, stinking springs for a bath. Abnormally painful on the sunburn, but very relaxing for the muscles.

From the summit earlier, we could catch a view on another vulcanoe. Sinabung is the most active vulcanoe in the region. With it’s mighty smokeclowds a true joy for the eyes.
And obviously the next stop of our trip!

But as so often, the way is as important as your destination. 100% true this time!

Bus-roof-ride

The beautiful views of the dangerous seeming vulcanoe from close distance were the very top of this epic day so far.

A last hint from Polo that night took us to the last adventure of this trip, before getting back to Medan.

After just over 2 hours of stoney, slippery jungletrekking, we made it to an incredibly rubbish-strewn place of unbelievable beauty.

Signed and called „2 colored waterfall“, there was a superhigh sulfurwaterfall next to a regular one with fresh water. Jumping from rock to rock, completely thriving in this nature paradise, I was able to experience the surroundings deeply and intensly.
And I planted my first tree! A papajatree it was, my first in a soon to be fast growing collection.

After this, we made our way back to Medan, where we were involved in a giant selfie collection and left Sumatra the day after.

What I didn’t tell you in between: how the people behaved towards us. In Indo, I was set back to east Africa completely. Walking through the streets, approached by locals all the time, most nice and helpful, some with the obvious attempt to get money from us.
But apart from one very uncomfortable confrontation with a disturbing snatcher, all encounters were very nice. Warmly welcomed everywhere, we still seemed like rare-to-be-seen creatures but were smiled at from everyone with a large grin.

This was Sumatra in short form. My greatest trip so far. Time to top that soon! …Borneo awaits.

Take care and stay awesome!