Borneo

18. Juni 2015 at 6:09

Zum Geburtstag – alles Gute Mama!

„Zuerst werde ich eine Woche in Sukau am Kinabatangan Fluss damit verbringen den Wald zu säubern und Bäume zu pflanzen, danach geht es Tauchen um Sipadan, dem Tauchparadies schlechthin, anschließend den Mount Kinabalu (höchsten Berg Südostasiens) besteigen und zu guter Letzt noch in den Gunung Mulu Nationalpark um dort die Höhlen zu sehen.“

Soweit der Plan. Zweieinhalb Wochen Zeit, um Borneo auf gewohnt-abenteuerliche Weise zu erkunden und dabei die Highlights der Region anzugehen. Nach Sumatra war ich gespannt, was mich hier natur-technisch noch erwarten würde.

Mittwoch Nacht, 20.5. – Aufbruch zum Flughafen Kuala Lumpur.
Donnerstag, 10 Uhr – Ankunft Sandakan Airport.
13 Uhr – Ankunft Unterkunft in Sepilok.
15 Uhr – Malaienbären und Orangutans im Reservat zur Rehabilitation besucht.
18 Uhr – Treffen meiner Mitfreiwilligen zur Besprechung der anstehenden Woche unter Leitung von Mark, dem malaysischen Programm-Koordinator von APE (Animal Projects and Environmental Education).

Danach sollten 4 Tage harte Arbeit, gemischt mit spannender Naturerkundung auf uns warten.

Gemeinsam mit James, Ben, Millie, Tiff, Jeff, Nick und Grace (mein Namensgedächtnis ist inzwischen spitzenmäßig gut!) verbrachte ich die ersten 7 Tage auf Borneo in Sukau, einem kleinen, netten Fischerdorf am Kinabatangan, wo zahlreiche Organisationen sich mit der Wiederaufforstung, dem Natur- und Artenschutz sowie dem Fernhalten der Palmölplantagen befassen & dabei die nahe Bevölkerung durch teuren Ökotourismus und Lernprogramme für Schulen unterstützen.

APE kümmert sich vor allem um die Instandhaltung und Aufforstung des „Corridor of Life“, der an den Ufern des Kinabatangan tausenden von Tierarten als Lebensraum, duzenden zur Wanderung zwischen der Ostküste Borneos und dem Hochland Sabahs dient und damit unerlässlich ist zum Artenschutz und der Erhaltung des Ökosystems in Sabah.

Der Ablauf:
4:45 Wecker – runter an den Fluss, den Körper in Schwung bringen
5:15 – die Anderen wecken
6:00 – Frühstück
6:30 – Abfahrt mit dem Boot zur Pflanzstelle
7:00 – Mit Machete und bloßen Händen die frisch gepflanzten Bäume der letzten Freiwilligen von Gräsern und Unkraut befreien, anschließend an ausgewählten Stellen neue Setzlinge pflanzen. (Persönlicher Baumstand: 1x Indonesien, 10x Malaysia)

10:30 – Rückfahrt mit dem Boot
12:30 – Mittagessen bei & mit einer Familie aus dem Dorf. Sagenhaftes Essen in Massen!
16:45 – Abfahrt mit dem Boot zur Naturbeobachtung und Monitoring der Arten am Fluss

3 neue Affenarten, duzende Insekten und Reptilien und zahllose Vogelarten durfte ich in dieser Zeit entdecken! Auf dem Boot mit Ferngläsern Ausschau halten, jede Bewegung interpretieren und melden, Tierarten notieren und genau studieren. Für die wichtigeren etwas länger anhalten und genau beobachten. Darunter JEDEN Tag vollkommen wilde Orangutans (auf Sumatra zwar „schon“ gesehen, waren die Primaten hier am Fluss nochmal völlig anders zu erleben. Wirklich wild, scheu, vorsichtig, instinktiv, romantisch – ganz anders als die bereits weitestgehend an Menschen gewöhnten haarigen Freunde auf Sumatra).
Außerdem Nasenaffen – https://www.google.com/search?btnG=1&pws=0&q=Nasenaffen&gws_rd=ssl
in unglaublicher Zahl. Bewegungs- und Entspannungskünstler zugleich. Fabelhafte Gesellen!

Das Highlight der Tierbeobachtungen: Orangutan-Weibchen am Nestbau – vor einem rotglühenden Sonnenuntergang formte sie sich ein Kissen zur gemütlichen Nachtruhe, während im nächsten Baum ihr Männchen sie zurückhaltend warten ließ.
Unvergesslich.

19:00 – Abendessen, wie mittags bei Dorfbewohnern.
22:00 – Zerstört ins Bett fallen, auf den nächsten Tag freuen.

Einen Tag haben wir im Dorf damit verbracht traditionelles Essen zu kochen, Bananenblatt-Origami zu lernen & Mancala zu spielen (ein witziges Murmelspiel, das wohl auch in Ostafrika sehr weit verbreitet ist, mir in der Zeit dort aber nicht begegnet ist).

Am Donnerstag, den 28.5. verließ ich die fleißige Truppe um allein weiter zu reisen. Nächster Halt: Sipadan.

1 Tag, 3 Tauchgänge, ultimativstes Taucherlebnis. Schaut es euch einfach an.

Noch am Abend der Taucherei bin ich in den Bus von Semporna aus Richtung Kota Kinabalu gestiegen und kam 8 Stunden später, um 3 Uhr morgens am 29.5. am Fuße des Mount Kinabalu an. Mit 4095,2 m als der höchste Berg Südostasiens ausgeschrieben, ragt er, von Urwald überwuchert & nur durch schmale Pfade erschlossen, gigantisch über Sabah auf und bietet die fabelhaftesten Ausblicke bis zur Küste.

Morgens los mit 2 Schweden (Karl und Oscar, die mich spontan mitnahmen), ging es steil und noch steiler bergauf. Um die 12 Ringgit Gebühr für die Gepäckaufbewahrung zu sparen, habe ich Sparfuchs meinen ~12kg Rucksack mit hoch geschleppt. Das hat mich ziemlich kämpfen lassen. Endlos erschöpft am Nachmittag auf ca. 2900 m im Lager eingetroffen, hieß es stärken und neue Kräfte schöpfen, damit wir um halb 3 am nächsten Morgen aufbrechen konnten um die letzten Höhenmeter hinter uns zu bringen und pünktlich zum Sonnenaufgang den Gipfel zu erreichen.

Wir waren blöderweise die letzten, die das Camp am Morgen verließen. Zweieinhalb Stunden bis Sonnenaufgang, 1200 Höhenmeter, teilweise durch Seile gesichert. Na dann los! Viele Wanderer haben es nicht rechtzeitig hoch geschafft um die Sonne aufgehen zu sehen. Wir waren nicht darunter. Und die Anstrengung hat sich gelohnt!

Nach dem zermärternden Abstieg ging es daraufhin mit dem Bus weiter bis nach Kota Kinabalu, der Hauptstadt des Staates Sabah.
Eine Nacht dort verbracht, am nächsten Morgen weiter nach Miri & von dort mit der Propellermaschine nach Mulu, in den Nationalpark.

In Mulu gibt es Höhlen zu sehen und zu erkunden. Ich fasse zusammen: Insgesamt 5 Tage im Park; ca. 6-8 Stunden Wanderung pro Tag; 5 verschiedene Höhlen sowie extrem viel Urwald besichtigt & bewandert, eine der Höhlen in einer 6 stündigen Kletter & Durchzwäng-Aktion voller wahnsinniger Aussichten und gigantischer Kammern im Inneren, am Ende noch 1 km schwimmen im Höhlenfluss bis zum Ausgang.
Extrem schöne Momente mit tollen Leuten (Greg, Nick, Luke, Gavie, Emily, Adrian, Pradum). Die meisten davon jedoch in fast völliger Dunkelheit, im Gedächtnis, doch nicht auf Kamera.

Von Mulu aus ging es dann zurück nach Miri, um noch einen Tag vor der Küste Sarawaks tauchen zu gehen. Fabelhafte Gastfreundschaft & extrem viel Spaß mit den Leuten vom Co.Co. dive center in Miri, wunderschöne Tauchgänge mit wahnsinnig viel Makro-Leben. Ein starker Gegensatz zu Sipadan, doch nicht weniger aufregend und begeisternd.

Am Abend des Sonntag, 7.6. kam ich dann wieder zu Hause an.

Neben der aufregenden Natur und den vielen verschiedenen Möglichkeiten sie kennen und lieben zu lernen, hat mir der Trip durch Borneo vor allem wegen den fantastischen Leuten gefallen, die ich unterwegs treffen durfte. Eine Persönlichkeit interessanter als die nächste, viel zu lernen und Inspiration zu sammeln.

Jetzt noch ein paar Fotos um die Sache abzuschließen. Die meisten guten werden noch folgen, sobald ich sie alle von den Reisefreunden eingesammelt habe.

Bleibt gut drauf und lasst euch mitreißen!

PS: heute startet Ramadan. 1 Monat fasten zw. 5:30 am und 7:30 pm. Ich werde versuchen es durch zu ziehen. Ihr werden davon hören!