Zwischen Grenzen, Dialekten und Gerichten #2

2. November 2016 at 17:02

Der zweite Teil meiner Reise durch Zentralamerika

Kleine Länder und nicht viel Zeit. Alle paar Tage kommen wir an eine Grenze. Und immer wieder heißt es bangen ob alles gut geht. Man weiß eben nie, was der genaue Ablauf ist, welche Stempel und Formulare man für die Bikes braucht und so weiter… manchmal dauert es 2 Stunden bis alles fertig ist, manchmal dauert es 5, wie im Falle der Grenze von Honduras nach:

Nicaragua

Es gehört immer eine Ausreise und eine Einreise zum Grenzübergang. Ein Land zu verlassen ist hier aber immer unheimlich einfach. 2 Stempel, eine Kopie und fertig. Die Einreise an dieser Grenze jedoch hat enorm viel Nerven und Zeit gekostet. 5 Kopien von unterschiedlichen Formularen, stundenlanges Ausfüllen irgendwelcher Listen durch die Grenzbeamten, nur um dann noch weiter geschickt zu werden, um ewig in der Schlange für die Versicherung zu warten. Aber hey, geschafft! Immerhin sind wir jetzt durch und alles ist in Ordnung.

Von der Grenze auf zum Strand! Zu prasselndem Regen in Strohhütten einschlafen, morgendliche Ring und Slacklinesession am Strand, ganz nach meinem Geschmack. Tolle Leute, ganz viel Spaß.

Nicaragua lässt uns Meer und Berge genießen. Tolle Fahrten zu paradiesischen Orten, versteckt und kaum besucht. Wirklich grandiose Möglichkeiten zu entspannen. Und zu surfen.
Mann o Mann… surfen ist der krasse Wahnsinn! Zunächst zermürbt zu werden von Wellen, getunkt, herumgeworfen, verdreht. Dann langsam die ersten gelungenen Versuche. Und wie viel Spaß es macht! Eine Welle richtig zu erwischen ist so dermaßen genial, dass es mich die ersten Male lachend bis zum Strand zurückgetragen hat. Einige weitere Male hat es in Nicaragua geklappt und ich bin wahnsinnig froh, dass Alex auch derart begeistert ist. Nur surft er schon, seit er 7 Jahre alt ist. Habe meinen Lehrer also dabei 🙂

Die Fahrt Richtung Lake Nicaragua weckte Vorfreude in mir, da mir Diane letztes Jahr in Indien aufgetragen hatte, den Vulkan auf der Insel Ometebe zu besteigen. Das konnte ich natürlich kaum erwarten.

Ometebe besteht an sich einfach nur aus 2 riesigen Vulkanen, die aus dem gewaltigen See herausstehen und dabei geradezu lächerlich mystisch aussehen.
Klar, da musste ich hoch.

Mit der Fähre und gemeinsam mit Cactus zur Insel, Hostel finden, am nächsten Morgen direkt die Wanderung starten.
Eine wunderschön anstrengende Tour auf den kleineren der beiden Vulkane, von dem aus die Aussicht einfach umwerfend war. Seht selbst:

Danach hieß es auf nach

Costa Rica

wo ich Diane wieder treffen sollte, nachdem wir uns im November (gemeinsam mit Dimi und Selina) in Indien auf der Hochzeit unseres Freundes Hareesh kennengelernt hatten.

Eine lange Fahrt mit noch einer anstrengenden Grenzüberquerung brachte uns kurz vor die Hauptstadt des Landes, in einen hügeligen Vorort.

Wenn es nur leichter wäre zu beschreiben, wie viel wahre Freundschaft bedeutet. Ihr wisst sicher wovon ich spreche. Doch hier besuchten wir jemanden, den ich erst einmal getroffen hatte, auf einem anderen Kontinent, bei ihr zu Hause, wo wir auch ihre quirlige Nachbarfamilie kennenlernten, die uns aufnahm, als gehörten wir schon immer dazu. Es war, als kannten wir uns schon ewig und dies sei nur ein weiterer Teil einer famosen und tiefen Freundschaft.

Von dort aus startete ein ganz anderer Abschnitt der Reise für mich. Ich wollte in die Berge während Alex und Kate an die Küste weiter wollten. Am Abend wollten wir uns wieder treffen, 4 Stunden entfernt.
Auch die Vulkantour in Nicaragua war ein Alleingang, doch diesmal musste ich eigenständig navigieren, was sonst immer das Handy von Alex übernommen hatte.

Alles hat bestens geklappt. Auf über 3200 Metern Höhe, mit dem Motorrad zwischen Vulkangipfeln.
Dann fuhr ich über den Wolken, stellte den Motor ab und rollte an die Küste. Was es unterwegs zu sehen gab lässt mich noch heute in Gedanken schwelgend schmunzeln.

Eine wirklich grandiose Fahrt, mit ständiger Erinnerung an Felix‘ erste Fahrversuche und -erfolge in Thailand.

Die Küste entlang ging es dann weiter zum letzten Land dieser Etappe:

Panama

Gleich hoch in die Berge, bei einem supernetten Pärchen aus Texas untergekommen, die wir einige Tage zuvor an der Grenze kennengelernt hatten.
Tolle Gespräche, entspanntes Miteinander. Wieder einmal unglaublich herzliche Gastfreundschaft erlebt. Das macht das Reisen einfach aus.

Schnurstracks ging es von dort aus noch einmal surfen und weiter nach Panama City.
Am Morgen des 24. Oktober hieß es mit einer Bande von 10 weiteren Motorradfahren Aufbruch nach Cartí zur Fähre.

2 Stunden über steilste Jungelstraßen, einmal Panama der Breite nach durchquert.

Dort dann die Stahlratte. Ein holländisches Boot unter deutscher Führung, das seit 1906 die Weltmeere durchschippert. Die praktisch einzige Möglichkeit für uns und ein starkes Duzend weiterer Biker, lebendig nach Kolumbien zu kommen.

Unterwegs winzige Inseln besuchen, horrend viel essen, Drohne fliegen, Schnorcheln und unheimlich feste Freundschaften schließen. 4 Tage auf hoher See voller Spaß und Spannung, Flips und Workouts. Und endlich Motivation und Zeit diese Berichte zu schreiben!

Moment, hat er Drohne gesagt?
Sehr richtig, haltet euch fest:

Damit ist die Zeit auf dem nordamerikanischen Komtinent vorüber und der nächste Abschnitt startet. Gespickt mit noch viel mehr Abenteuern und unvergesslichen Erfahrungen. Wir können es kaum erwarten alles zu entdecken! Außerdem kommt Sarah uns in Peru besuchen! Bis dahin noch 2 Länder erkunden und heftig Spanisch lernen.

Machts gut und schickt mir gerne Fragen! Ich freue mich immer noch mehr zu teilen.
Danke, dass ihr dabei seid, ich freue mich wieder auf jede/n einzelnen von euch.

Zwischen Grenzen, Dialekten und Gerichten #1

1. November 2016 at 14:00

Zusammenfassung meiner Reise in Zentralamerika

So viele Länder auf einmal. Was den Unterschied macht?
Die Menschen.

Andere…. Haltung, Mimik, Gestik, Wortwahl, Offenheit, Freundlichkeit, Bescheidenheit, Geduld, Zufriedenheit, Entspanntheit, Erwartungen,… und Gewürz- sowie Zutatenwahl machen für mich unter anderem die Vielfalt in der Region aus.

Für mich? Alles toll!! Umso toller, wenn es ständig neu, anders und herausfordernd bleibt. Nach Mexiko fing es an dermaßen facettenreich zu werden, dass ich entschieden habe, mir mehr Zeit zu nehmen, die Erlebnisse aus weiteren 6 Ländern einzeln aufzuschreiben und die Bilder mit mehr Gedanken und Gefühlen zu verbinden.

Super klein, touristisch und teuer, eine erhebliche Überraschung gleich nach Mexiko: Belize.

Die größte Stadt, Belize City, war für uns unangenehm stressig, laut, schmutzig und heiß. Also raus, auf eine Insel!
Dort das gleiche. Nur noch heißer. Und noch viel touristischer. Aber wenigstens konnte man Schnorcheln und entspannt gemeinsam Yoga im Sonnenuntergang machen.

Klar, wir haben immer echt wenig Zeit für einen Ort hier, während wir pünktlich unser Boot in Panama erreichen müssen, so bleibt oft nicht genug Zeit einem Ort genügend Zeit zugeben einen guten Eindruck zu machen. Aber meistens ist der erste immer fantastisch. Im Falle der zentralen Küstenregion von Belize war das für uns nicht so. Betrunkene, laute Australier, geldgierige Touranbieter und der fehlende eigenständige Charakter dieses Ortes war uns einfach suspekt, besonders nach der mexikanischen Großartigkeit. Trotzdem gab es tolles zu erleben, besonders unter Wasser:

Ganz anders dann das Landesinnere. Gespickt mit weitläufigen Hochregionen und Urwäldern, lädt dieser Teil des kleinen Landes viel mehr zum Ankommen und Innehalten ein. Entspannt Luft holen im Pinienwald, dem Rauschen mächtiger Wasserfälle lauschen… ja, eben wieder genau mein Ding:

Hier fehlt plötzlich die sonst so klare touristische Infrastruktur. Die Region fordert auf, die Komfortzone (beziehungsweise die asphaltierte Straße) zu verlassen, auf die Tips der Einheimischen zu hören und sich auf gehörige Abenteuer gefasst zu machen. Wenige Kilometer von der Grenze zu Guatemala entfernt wird der Abenteuerdurst gestillt: Gigantische Ruinen im Jungel.

Auf nach:

Guatemala!

Im Minutentakt von strahlendem Sonnenschein zu prasselndem Regen, jedoch immer Hitze und noch mehr Hitze. Quirlige Städte, wilde Wälder, Vulkane und lange Fahrten. Nur wenige Tage im Land, doch ein gutes Gefühl durch alle Erlebnisse. Herzlich willkommen bei wem wir unterkamen, schöne Ausblicke von der Straße aus.

Hier muss ich auf jeden Fall wieder hin, die aktiven Vulkane im Süden besteigen und intensiv Jungel erleben. Doch für diesmal schon einen tollen Geschmack des Landes mitbekommen.

Als nächstes auf dem Weg Richtung Panama: Honduras.

Die Motorräder sicher untergebracht ging es direkt nach Utila. Die kleine Insel verspricht Tauchspaß und Gelassenheit.
Super günstig untergekommen ging es gleich am ersten Tag ins Meer, um die Farbenfreude und Artenvielfalt zu bestaunen. Tolles Taucherlebnis!

Sonst ziemlich partylastig blieb für mich schön viel Zeit, an meinem Handstand zu arbeiten. Viel spanisch lernen und jeden Tag ruhig und entspannt angehen, einmal voll runterkommen vom sonst eher hektischen Fahren mit mörderischem Verkehr.

Wieder von der Insel unten hieß es ab durchs Land, die Hauptstadt Tegucigalpa besuchen, Vulkane von Weitem zu bestaunen und schnell viele Meilen hinter uns bringen. Straßen von perfekter Qualität, sich szenisch durch die Berge schlängelnd, purer Fahrspaß aufs Neue!

3 aufregende Länder, von Grund auf unterschiedlich und facettenreich. Doch bleiben grandiose Momente mit Menschen überall möglich, trotz nur schlechter Kommuniktion, doch durch Herzlichkeit und ehrliche Freude.